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Reges Interesse am Vortrag zum Thema Depressionen und Ängste

Gifhorn. Zu einem Vortrag zum Thema Depressionen und damit einhergehende Ängste hatte der Sozialverband Deutschland (SoVD)Kreisverband Gifhorn interessierte Bürgerinnen und Bürger am Dienstag, den 27.11.2018 in das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Gifhorn eingeladen. Referentin Frau Dr. med. Sigrid Schnelle, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie aus Gifhorn erläuterte den 45 Teilnehmern in ihrem Vortrag anhand eines Praxisbeispiels, wie sich erste Anzeichen beginnender Depressionen erkennen lassen und beschrieb mögliche Behandlungsformen und Lösungsmöglichkeiten. Im Anschluss stand Frau Dr. Schnelle für die Teilnehmer im Rahmen einer Podiumsdiskussion für weitere Fragen zur Verfügung.

Ängste und Depressionen sind ernste psychische Krankheiten. Mit etwa vier Millionen Betroffener allein in Deutschland gehört die Depression mit Herzinfarkten und Krebs sogar zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt.„Es kann jeden treffen,“ sagt Frau Dr. Schnelle in ihrer Präsentation, „Untersuchungen haben gezeigt, dass 30% bis 50% der Patienten in den Hausarztpraxen auch an psychischen Erkrankungen leiden.“ Der SoVD kennt die Probleme mit der Erkrankung aus seinem Beratungsalltag. Immer häufiger kommen Menschen in die Sozialberatungsstelle, die aufgrund oder infolge verweigerter Sozialleistungen in schwierige Lebenssituationen geraten und deshalb an Depressionen und Ängsten erkranken.

In ihrem Referat führte Frau Dr. Schenlle einige wesentliche Punkte an. Dazu gehört die frühe Diagnose und Therapie. Ein erster Schritt ist, dass der Betroffene seine Depression anerkennt und bereit ist, fachkundige Hilfe anzunehmen Zu den psychischen Anzeichen gehören tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Müdigkeit und Antriebsmangel. Viele Betroffene leiden unter Konzentrations- und Leistungsschwäche. Schuldgefühle hemmen zusätzlich ihre Handlungsfähigkeit. Dann helfen unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren im Rahmen der Verhaltenstherapie oder der sogenannten psychodynamischen Psychotherapie. Je nach Schweregrad und Form der Depression können Psychotherapien alleine oder in Kombination mit Medikamenten, mit Antidepressiva, wirksam sein. Wichtig sei, das der Patient im Rahmen seiner Möglichkeiten mitarbeitet. Frau Dr. Schnelle machte auch Mut. Die meisten depressiv Erkrankten können effektiv behandelt werden und wieder ein normales, erfülltes Leben führen.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Frau Dr. Schnelle Fragen derTeilnehmer. Dabei wurde deutlich, das allgemein gültige pauschale Antworten kaum möglich sind. Das Krankheitsbild lässt sich nur schwer vereinheitlichen und muss daher individuell für jeden Patienten diagnostiziert und nach Schwere und Betroffenheitsgrad des Erkrankten behandelt werden.

SoVD kritisiert Philologen: „Offensichtlich ist Inklusion nicht so wichtig“

Hannover. Mit großem Unverständnis reagiert der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen auf die Forderung des Philologenverbandes zum Thema schulische Inklusion. Deren Vorsitzender Horst Audritz hatte gefordert, die Förderschule Lernen entgegen den Planungen der Landesregierung zu erhalten. „Das ist unverantwortlich und zeigt, dass dem Philologenverband die gleichberechtigte Teilhabe von Kindern mit Behinderung offensichtlich nicht so wichtig ist“, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer.

Natürlich sei es richtig, dass es mehr finanzielle und personelle Ressourcen für die Umsetzung der Inklusion brauche. „Darauf weisen wir schon seit langem hin und da muss auch dringend was passieren“, fordert Bauer weiter. Dass 400 Millionen Euro in der Inklusion in Niedersachsen falsch eingesetzt werden, habe ja schon der Landesrechnungshof deutlich gemacht: „Das Geld ist also da. Es muss nur richtig verteilt werden.“ Es könne jedenfalls nicht sein, dass gerade Kinder mit einer Lernschwäche hinten runter fallen.

In diesem Zusammenhang mit dem Wahlrecht der Eltern zu argumentieren, sei fehl am Platz. „Das wäre nur gegeben, wenn zwei gleichwertige Systeme nebeneinander stehen. Solange inklusive Schulen aber nicht finanziell und personell vernünftig ausgestattet sind, werden sich Eltern zwangsweise immer für die Förderschule entscheiden“, so Bauer. Eine echte Wahlfreiheit gebe es somit überhaupt nicht.

So gemein ist Niedersachsen. SoVD macht mit "Schwarzbuch sozial" wieder Ungerechtigkeiten öffentlich

Hannover. Bereits zum dritten Mal veröffentlicht der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen das „Schwarzbuch sozial“ mit den hanebüchensten Ungerechtigkeiten aus seinem Beratungsalltag: Da wird der Reha-Antrag von Eltern abgelehnt, die gerade ihr Kind verloren haben. Da wirft das Jobcenter einem SoVD-Mitglied Steuerverschwendung vor und klagt selbst mehrere Jahre erfolglos, um nicht zahlen zu müssen. Und da unterstellt die Berufsgenossenschaft einem schwer verunglückten Lkw-Fahrer, zu simulieren, weil sie sich vor der Rentenzahlung drücken will.

Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Dass das vor allem für Menschen in schwierigen Situationen zum Problem wird, zieht sich wie ein roter Faden durch das „Schwarzbuch sozial“. 20 Fälle aus den rund 60 Beratungszentren in ganz Niedersachsen dokumentieren sehr gut die Ungerechtigkeiten, die täglich auf den Schreibtischen der SoVD-Berater landen. „Wir stellen immer häufiger fest, dass für Kranken- und Pflegekassen, aber auch für Jobcenter nicht die Probleme des Einzelnen im Vordergrund stehen, sondern ihre eigenen Zahlen und wirtschaftlichen Interessen“, kritisiert Bernhard Sackarendt, 2. SoVD-Landesvorsitzender. Und SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke ergänzt: „Die Art und Weise, wie Behörden und Institutionen mit Betroffenen umgehen und mit ihnen kommunizieren, macht uns an vielen Stellen sprachlos.“ Oft werde wenig Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt. „Das zeigt uns, dass Einzelschicksale für die Behörden oftmals keine Rolle spielen“, so Swinke weiter. Anders könne er sich so manches Vorgehen nicht erklären.

Mit dem „Schwarzbuch sozial“ will Niedersachsens größter Sozialverband aber nicht nur auf die Missstände aufmerksam machen, sondern auch bei der Politik den Finger in die Wunde legen. „Wir nutzen das Schwarzbuch dazu, um deutlich zu machen, welche negativen Konsequenzen zahlreiche Gesetze für Menschen haben, denen es ohnehin schon nicht gut geht“, erläutert Sackarendt.

Ein Beispiel dafür sei etwa die Tatsache, dass Widerspruchsverfahren im Bereich Pflege unverhältnismäßig lange dauern. „Unsere Beratung zeigt: 90 Prozent der Betroffenen warten länger als drei Monate auf eine Entscheidung“, so Sackarendt. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Natürlich seien zuerst der Medizinische Dienst der Krankenversicherung und die Pflegekassen in der Pflicht, das zu beschleunigen, aber auch die Politik könne etwas tun: „Bei einem Antrag gibt es eine gesetzliche Frist, innerhalb derer entschieden werden muss. Das muss es auch für Widersprüche geben“, fordert der 2. SoVD-Landesvorsitzende. „Schließlich betonen Politiker immer wieder, dass Pflegebedürftige besser unterstützt werden müssen. An diesem Punkt könnten sie damit anfangen“, findet er.

Dass in Niedersachsen vieles nicht rundläuft, macht SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke auch anhand verschiedener Zahlen deutlich: „Viele Menschen können bestimmte Dinge nicht mehr alleine. Sie brauchen Beratung und kommen deshalb zu uns.“ Dies zeige zum Beispiel auch die steigende Zahl der Mitglieder. Am 31. Oktober 2018 waren es fast 285.000 – ein Plus von 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für seine Mitglieder hat der SoVD durch Widersprüche und Klagen auch 2017 hohe Summen erstritten. Das waren mehr als 26 Millionen Euro an einmaligen und mehr als 7 Millionen Euro an laufenden Zahlungen.

Insgesamt hat der Verband sich in rund 33.800 Anträgen, Widersprüchen, Klagen und Berufungsverfahren für seine Mitglieder stark gemacht.

Das „Schwarzbuch sozial“ ist im Internet unter www.sovd-nds.de abrufbar.

SoVD stellt Ergebnisse vor: Nur wenige Frauenhäuser sind barrierefrei

Hannover. Wie barrierefrei sind die Frauenhäuser in Niedersachsen? Das hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) überprüft. Die Ergebnisse stellt er jetzt anlässlich des „Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November vor.

Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein weit verbreitetes Problem. Für viele Betroffene sind Frauenhäuser die letzte Zuflucht. Dabei ist es wichtig, dass diese Einrichtungen für Frauen mit Behinderung leicht zugänglich sind – denn sie sind zwei- bis dreimal häufiger von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt betroffen.

Da es bislang jedoch keine Übersicht gibt, welche der 42 Frauenhäuser in Niedersachsen barrierefrei sind, hat der SoVD als größter Sozialverband Niedersachsens die Einrichtungen anhand eines speziell entwickelten Fragebogens überprüft.

Das Ergebnis: Es gibt nur sehr wenige Häuser, die etwa einen barrierefreien Zugang zu den Etagen, ein barrierefreies Zimmer oder entsprechende Sanitäranlagen haben. Gute Beispiele sind hier etwa die Frauenhäuser in Aurich, Braunschweig, Hannover, Lüchow-Dannenberg und Verden. „Einige Einrichtungen sind zwar dabei, das Thema Barrierefreiheit anzugehen. Doch der Weg ist noch weit. Die meisten Häuser sind nicht barrierefrei“, stellt SoVD-Landesfrauensprecherin Roswitha Reiß fest.

Um das zu ändern, hat das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung eine Million Euro für entsprechende Umbaumaßnahmen bereitgestellt. „Das ist zwar das richtige Signal. Allerdings müssen kontinuierlich Fördermittel zum inklusiven Ausbau zur Verfügung stehen, damit das Geld auch langfristig bei den Frauenhäusern ankommt“, fordert Reiß. Zudem müssten die Mittel gestaffelt werden, damit auch kleinere Umbaumaßnahmen umgesetzt werden können.

SoVD Kreisverband Gifhorn wählte neuen Vorstand

Gifhorn/Meine. Insgesamt 57 Delegierte aus den SoVD-Ortsverbänden des Landkreises hatten sich zur Kreisverbandstagung des Sozialverband Deutschland (SoVD) Kreisverband Gifhorn am 29.September im Gemeindezentrum Meine eingefunden. Auf der Tagesordnung der Versammlung, die satzungsgemäß alle vier Jahre stattfindet, standen u.a. Entlastung des Vorstandes, Berichte von Kreisschatzmeister, Kreis-Frauensprecherin und Leiterin der Sozialberatungsstelle. Im Anschluss wählten die Teilnehmer einen neuen geschäftsführenden Kreisvorstand.

Nach der Eröffnungsrede des 1.Kreisvorsitzenden Heinz-Ulrich Kabrodt begrüßten die Samtgemeindebürgermeisterin Ines Kielhorn und die Meiner Bürgermeisterin Ute Heinsohn-Buchmann die Gäste. Beide Lokalpolitikerinnen lobten in ihrer Ansprache das gemeinnützige Engagement des Verbandes, der sich für sozial benachteiligte Menschen einsetzt und diesen konkret in sozial-rechtlichen Belangen zur Seite steht. Gruß- und Dankesworte des SoVD-Landesvorsitzenden Adolf Bauer überbrachte der SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke.

Nach der Verabschiedung von Heidrun Leyh, Marion Meyer, Gerhard Bothe und Johannes Pohl, die durch ihren Rückzug jüngeren Mitgliedern Platz im ehrenamtlichen Vorstand machen, standen Neuwahlen an. Zum Kreisvorsitzenden wieder gewählt wurde Heinz-Ulrich Kabrodt, sein Stellvertreter ist Lutz Lau. Neue Frauensprecherin und 2. Kreisvorsitzende wurde Ulrike Scheer, ihre Stellvertreterin wurde Monika Denecke. Ebenfalls wiedergewählt wurde Kreisschatzmeister Horst Nagel. Die Kreisschriftführerin und stellvertretende Kreisschatzmeisterin heißt Sabine Müller. Ferner wurden die Beisitzer, Revisoren und Delegierten für die Landes- und Bundesverbandstage neu gewählt. 

Zahlen zeigen: GroKo hat bei Inklusion falschen Weg eingeschlagen

Hannover. In Niedersachsen lernen immer mehr Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam an einer Schule – das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Darin werden Zahlen aus den Schuljahren 2008/09 und 2016/17 verglichen. „Die Untersuchung zeigt, dass wir beim Thema Inklusion auf einem guten Weg waren“, sagt Adolf Bauer, Landesvorsitzender des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Nach ihrem Amtsantritt habe die Große Koalition allerdings einen anderen Kurs eingeschlagen, der ganze Jahrgänge von der gleichberechtigten Teilhabe ausschließt.

Anders als die Vorgängerregierung spricht die Große Koalition in Niedersachsen nicht mehr davon, Förderschulen vollständig zu schließen und so die Inklusion voranzutreiben. Vielmehr soll es weiterhin ein paralleles Schulsystem geben. Außerdem wurde die Abschaffung der Förderschule Lernen für die nächsten zehn Jahre ausgesetzt. „Dadurch wird der Prozess der Inklusion auf die lange Bank geschoben“, kritisiert Bauer. Besonders ärgerlich sei es, dass Niedersachsen wichtige Schritte getan habe, die der Bertelsmann-Studie zufolge auch erste Erfolge gezeigt hätten. So ist in Niedersachsen etwa der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die an einer Förderschule lernen, im Vergleichszeitraum zurückgegangen und liegt unter dem Bundesdurchschnitt. Insgesamt befinde sich Niedersachsen im Ländervergleich bei der Exklusionsquote auf dem fünften Platz.

„Wenn man sich die Zahlen anguckt, ist es noch unverständlicher, dass die schwarz-rote Regierung in Sachen Inklusion einen solchen Rückschritt macht“, so der SoVD-Chef. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, das Vorgehen noch einmal zu überdenken und endlich ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. „Ansonsten gehen noch weitere Jahrgänge verloren“, befürchtet Bauer.