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Neue Regelung erschwert Bahnreisen für Menschen mit Behinderung

Hannover. Bislang haben Menschen mit Behinderung bei ihren Reisen Unterstützung von der Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn bekommen. Sie fungierte als zentraler Ansprechpartner und koordinierte weitere Abstimmungen mit privaten Eisenbahnunternehmen. Das hat sich jetzt geändert, die Deutsche Bahn bietet den Service für die einzelnen Unternehmen nicht mehr an. Die Folge: Wenn Menschen mit Behinderung Hilfe brauchen, müssen sie bei jeder Eisenbahngesellschaft einzeln anrufen – ein inakzeptabler Zustand, wie der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen findet.

Menschen mit Behinderung brauchen bei ihren Bahnreisen oft Unterstützung – etwa wenn sie im Rollstuhl sitzen oder blind sind. Gerade wenn sie dabei nicht nur mit der Deutschen Bahn, sondern auch mit privaten Eisenbahnunternehmen unterwegs sind, kann das kompliziert werden. Um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, gab es als zentralen Ansprechpartner bislang die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn. Sie traf die nötigen Absprachen mit allen Eisenbahnunternehmen für die gesamte Reisekette.

Diesen kompletten Service hat die Deutsche Bahn nun eingestellt. Seit kurzem müssen Menschen mit Behinderung mit jedem einzelnen Eisenbahnunternehmen selbst Kontakt aufnehmen und die Hilfeleistungen organisieren. Der Grund: Die Deutsche Bahn hat das Angebot bislang kostenlos für alle Eisenbahnunternehmen organisiert. Das ist laut Bahn aus Kostengründen nicht mehr möglich. Gegen eine Gebühr können Eisenbahngesellschaften das Angebot jedoch weiter nutzen – in Niedersachsen tut das jedoch kein Unternehmen.

„Für Menschen mit Behinderung bedeutet das, dass Bahnfahren sehr viel komplizierter wird. Es ist ein enormer Rückschritt in puncto Teilhabe und Mobilität“, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer. Er fordert die privaten Eisenbahnunternehmen in Niedersachsen dringend auf, sich nicht ihrer Verpflichtung zu entziehen und sich doch noch an der MSZ zu beteiligen. „Wenn sich die Unternehmen nicht bewegen, ist die Politik gefragt. Sie muss entsprechend Druck machen, damit es eine schnelle Lösung für die Betroffenen gibt. Schließlich ist eine zentrale Anlaufstelle auch in der entsprechenden EU-Verordnung vorgesehen“, so Bauer.

SoVD Gifhorn bietet kostenloses Bewerbertraining

Gifhorn. Viele Menschen fühlen sich bei einem Vorstellungsgespräch unsicher und gestresst. Häufig mangelt es an Selbstvertrauen und Erfahrung die eigene Persönlichkeit und die eigenen Qualifikationen richtig dazustellen. Der Sozial Verband Deutschland (SoVD) weiß aus seinem Beratungsalltag im Sozialzentrum Gifhorn dass viele Menschen damit Probleme haben und bietet Interessierten aller Altersgruppen ein kostenloses Bewerbertraining an. Darin werden in praxisnahen Simulationen die Teilnehmer*Innen auf reale Situationen in Bewerbungsgesprächen vorbereitet und entsprechend geschult.

Das Seminar wird durchgeführt von Manfred Gebhardt, der als ehemaliger verantwortlicher Personalchef bei einer bundesweit aktiven Handelskette umfangreiche Erfahrung im Umgang mit Bewerber*innen hat. Er gibt Tipps, unterstützt und trainiert mit den Teilnehmern die perfekte Bewerbung vom Anschreiben bis zum Vorstellungsgespräch. In praxisnahen Simulationsgesprächen übt jeder einzelne Teilnehmer, wie er am besten in einem Vorstellungsgespräch seine Qualifikationen präsentiert und welche Antworten er auf häufig gestellte Fragen geben kann.

Das zweitägige Seminar findet statt am 08. und 09.04.19 von jeweils 9 -15 Uhr im Mehrgenerationenhaus Gifhorn, Steinweg 20 (Georgshof). Die Teilnehme ist kostenlos. Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon 05371-3685 oder per E-Mail an info@sovd-gifhorn.de. Anmeldeschluss ist am Donnerstag, den 4.April 2019.

SoVD-Check: Wie barrierefrei sind Grundschulen im Landkreis Gifhorn?

Gifhorn. Inklusion funktioniert nicht ohne Barrierefreiheit. Denn wo Barrieren behindern, bleibt eine Teilhabe für alle verwehrt. Gerade für die schulische Inklusion ist Barrierefreiheit eine wichtige Voraussetzung. Der Sozial Verband (SoVD) Kreisverband Gifhorn will sich anhand einer Checkliste, die an die 42 Grundschulen in Landkreis Gifhorn verschickt werden, einen Überblick verschaffen, wie barrierefrei unsere Schulen sind. Darin werden die verantwortlichen Schulleitungen aufgefordert, die Checkliste, die sich mit Fragen zur Barrierefreiheit auseinander setzt, entsprechend auszufüllen und an den SoVD zurück zu senden. Beispielgebende Schulen mit der höchsten Punktzahl werden dann mit dem SoVD-Preis „An alle gedacht“ ausgezeichnet.

Bei diesem SoVD-Check geht es nicht darum, Schulen an den Pranger zu stellen. Im Gegenteil: Schulen, die sich für Barrierefreiheit auf den Weg gemacht haben, sollen als gute Beispiele öffentlich genannt und mit dem SoVD-Preis „An alle gedacht“ ausgezeichnet werden.

Gerade bauliche Veränderungen an Schulen können von den Schulträgern meist aus finanziellen Gründen nur schrittweise umgesetzt werden. Mit dieser Aktion unterstützt der SoVD Schulen, die bereits Maßnahmen dazu auf den Weg gebracht haben. Sichtbar wird das durch die öffentliche Preisverleihung im Schulgebäude. Damit wird auch Schüler*innen und Eltern die Offenheit und Bestrebungen der Schule und der Kommune signalisiert, das Barrierefreiheit wirklich für alle wichtig ist und „an alle gedacht“ wird.

Die Preisverleihung findet im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen statt. Die offizielle Preisverleihung erfolgt in der jeweiligen Schule am Montag, den 6. Mai 2019 um fünf vor zwölf.

SoVD rät: Jetzt Erziehungszeiten melden

Gifhorn. Neues Jahr, neue Regeln: Seit Januar 2019 reicht die Erziehung von zwei vor 1992 geborenen Kindern für eine gesetzliche Altersrente aus. Damit haben gerade viele ältere Hausfrauen erstmals überhaupt einen eigenen Rentenanspruch. Um diesen zu realisieren, müssen sie ihre Erziehungszeiten allerdings beim zuständigen Rentenversicherungsträger melden.

„Der Anspruch auf die Regelaltersrente besteht nur, wenn mindestens fünf Beitragsjahre im Versicherungsverlauf vorhanden sind“, erläutert SoVD-Beraterin Christine Scholz. Bislang wurden für jedes vor 1992 geborene Kind zwei Beitragsjahre im Rentenkonto gespeichert. Seit Jahresbeginn 2019 sind es zweieinhalb Jahre. „Jetzt ist der Rentenanspruch also schon bei zwei Kindern im entsprechenden Alter begründet – ganz unabhängig davon, ob man je erwerbstätig war“, so Scholz.

Der SoVD macht sich seit vielen Jahren für eine gerechte Mütterrente stark. „Die Neuregelung ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt der SoVD-Kreisvorsitzende Heinz-Ulrich Kabrodt. „Dennoch sind wir erst am Ziel, wenn alle Eltern gleichgestellt werden.“ Für ab 1992 geborene Kinder werden nach wie vor jeweils drei Jahre angerechnet. Auf Antrag können auch Väter die Erziehungszeiten geltend machen. Bei Fragen zum Thema Rente hilft der SoVD in seinem Beratungszentrum in Gifhorn. Terminvereinbarung unter der Rufnummer 05371-3685.

Frauen im SoVD feiern 100-jähriges Jubiläum

Hannover. Das Jahr beginnt für den Sozialverband Deutschland (SoVD) mit einem ganz besonderen Jubiläum: Vor 100 Jahren traten die ersten Frauen dem damaligen Reichsbund bei.

Am 15. Januar 1919 vollzog der SoVD – damals noch unter dem Namen Reichsbund – einen wirklich revolutionären Akt: Erstmals konnten Frauen Mitglied im Verband werden. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung und für die damalige Zeit ein echtes Novum. „Wir waren von Anfang an ein fortschrittlicher Verband und die erste Kriegsopferorganisation überhaupt, die Frauen aufnahm“, sagt SoVD-Landesfrauensprecherin Roswitha Reiß. Seitdem habe sich der SoVD konsequent für die Gleichberechtigung eingesetzt und konnte dabei so manchen Erfolg verbuchen. „Für die Anrechnung von Erziehungszeiten bei der Altersversorgung, der sogenannten Mütterrente, sind wir im ganzen Land immer wieder auf die Straße gegangen. Dieser Kampf hat sich gelohnt“, so Reiß.

Doch das Ziel sei noch längst nicht erreicht. „Egal, ob es etwa um die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern oder die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege geht – der Weg ist noch lang“, betont die Landesfrauensprecherin. Der SoVD werde jedoch in seinem Engagement nicht nachlassen.

Zum Jubiläum präsentiert der SoVD auch den Jubiläumsfilm „100 Jahre Frauen im SoVD“.

Pflege: Ab 2019 einfacher in Kur gehen

Gifhorn. Angehörige zu Hause zu pflegen, ist für viele Betroffene belastend – körperlich und auch seelisch. Um für Entlastung zu sorgen, gibt es spezielle Reha-Maßnahmen. Ab 1. Januar 2019 ist es leichter, diese zu beantragen. Darauf weist der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Gifhorn hin.

Für 85 Prozent der betroffenen Angehörigen bestimmt die Pflege den Alltag. Die Hälfte von ihnen kümmert sich sogar mehr als zwölf Stunden am Tag um den Pflegebedürftigen. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der Barmer hervor: Viele Angehörige seien an der Belastungsgrenze angekommen.

Um eine Auszeit vom Pflegealltag nehmen zu können, gibt es spezielle Reha-Maßnahmen. Das Problem bislang: Es müssen alle ambulanten Versorgungen am Wohnort ausgeschöpft werden, damit eine stationäre Kur genehmigt wird. Das ändert sich zum 1. Januar. Dann können pflegende Angehörige eine stationäre Reha in Anspruch nehmen, auch wenn ambulante Maßnahmen ausreichend wären.

„Gerade für diejenigen, die durch die Pflege sehr belastet sind, ist die Änderung wichtig. Viele von ihnen konnten ambulante Reha-Leistungen nicht in Anspruch nehmen, weil es die familiäre Situation vor Ort nicht zugelassen hat“, sagt SoVD-Beraterin Christine Scholz. Ab 2019 müsse die Krankenkasse dafür sorgen, dass der Pflegebedürftige während einer stationären Kur untergebracht wird. Bislang mussten sich die Angehörigen selbst kümmern. „Das ist für viele eine große Erleichterung“, so Scholz.

Wer als pflegender Angehöriger eine stationäre Reha antreten möchte, muss sich diese vom Arzt verordnen lassen und sie bei der Krankenkasse oder dem Rentenversicherungsträger beantragen. Dabei hilft das SoVD-Beratungszentrum Gifhorn, Michael-Clare Straße 6, Telefon 06371-3685.

Reges Interesse am Vortrag zum Thema Depressionen und Ängste

Gifhorn. Zu einem Vortrag zum Thema Depressionen und damit einhergehende Ängste hatte der Sozialverband Deutschland (SoVD)Kreisverband Gifhorn interessierte Bürgerinnen und Bürger am Dienstag, den 27.11.2018 in das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Gifhorn eingeladen. Referentin Frau Dr. med. Sigrid Schnelle, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie aus Gifhorn erläuterte den 45 Teilnehmern in ihrem Vortrag anhand eines Praxisbeispiels, wie sich erste Anzeichen beginnender Depressionen erkennen lassen und beschrieb mögliche Behandlungsformen und Lösungsmöglichkeiten. Im Anschluss stand Frau Dr. Schnelle für die Teilnehmer im Rahmen einer Podiumsdiskussion für weitere Fragen zur Verfügung.

Ängste und Depressionen sind ernste psychische Krankheiten. Mit etwa vier Millionen Betroffener allein in Deutschland gehört die Depression mit Herzinfarkten und Krebs sogar zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt.„Es kann jeden treffen,“ sagt Frau Dr. Schnelle in ihrer Präsentation, „Untersuchungen haben gezeigt, dass 30% bis 50% der Patienten in den Hausarztpraxen auch an psychischen Erkrankungen leiden.“ Der SoVD kennt die Probleme mit der Erkrankung aus seinem Beratungsalltag. Immer häufiger kommen Menschen in die Sozialberatungsstelle, die aufgrund oder infolge verweigerter Sozialleistungen in schwierige Lebenssituationen geraten und deshalb an Depressionen und Ängsten erkranken.

In ihrem Referat führte Frau Dr. Schenlle einige wesentliche Punkte an. Dazu gehört die frühe Diagnose und Therapie. Ein erster Schritt ist, dass der Betroffene seine Depression anerkennt und bereit ist, fachkundige Hilfe anzunehmen Zu den psychischen Anzeichen gehören tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Müdigkeit und Antriebsmangel. Viele Betroffene leiden unter Konzentrations- und Leistungsschwäche. Schuldgefühle hemmen zusätzlich ihre Handlungsfähigkeit. Dann helfen unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren im Rahmen der Verhaltenstherapie oder der sogenannten psychodynamischen Psychotherapie. Je nach Schweregrad und Form der Depression können Psychotherapien alleine oder in Kombination mit Medikamenten, mit Antidepressiva, wirksam sein. Wichtig sei, das der Patient im Rahmen seiner Möglichkeiten mitarbeitet. Frau Dr. Schnelle machte auch Mut. Die meisten depressiv Erkrankten können effektiv behandelt werden und wieder ein normales, erfülltes Leben führen.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Frau Dr. Schnelle Fragen derTeilnehmer. Dabei wurde deutlich, das allgemein gültige pauschale Antworten kaum möglich sind. Das Krankheitsbild lässt sich nur schwer vereinheitlichen und muss daher individuell für jeden Patienten diagnostiziert und nach Schwere und Betroffenheitsgrad des Erkrankten behandelt werden.

SoVD kritisiert Philologen: „Offensichtlich ist Inklusion nicht so wichtig“

Hannover. Mit großem Unverständnis reagiert der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen auf die Forderung des Philologenverbandes zum Thema schulische Inklusion. Deren Vorsitzender Horst Audritz hatte gefordert, die Förderschule Lernen entgegen den Planungen der Landesregierung zu erhalten. „Das ist unverantwortlich und zeigt, dass dem Philologenverband die gleichberechtigte Teilhabe von Kindern mit Behinderung offensichtlich nicht so wichtig ist“, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer.

Natürlich sei es richtig, dass es mehr finanzielle und personelle Ressourcen für die Umsetzung der Inklusion brauche. „Darauf weisen wir schon seit langem hin und da muss auch dringend was passieren“, fordert Bauer weiter. Dass 400 Millionen Euro in der Inklusion in Niedersachsen falsch eingesetzt werden, habe ja schon der Landesrechnungshof deutlich gemacht: „Das Geld ist also da. Es muss nur richtig verteilt werden.“ Es könne jedenfalls nicht sein, dass gerade Kinder mit einer Lernschwäche hinten runter fallen.

In diesem Zusammenhang mit dem Wahlrecht der Eltern zu argumentieren, sei fehl am Platz. „Das wäre nur gegeben, wenn zwei gleichwertige Systeme nebeneinander stehen. Solange inklusive Schulen aber nicht finanziell und personell vernünftig ausgestattet sind, werden sich Eltern zwangsweise immer für die Förderschule entscheiden“, so Bauer. Eine echte Wahlfreiheit gebe es somit überhaupt nicht.

So gemein ist Niedersachsen. SoVD macht mit "Schwarzbuch sozial" wieder Ungerechtigkeiten öffentlich

Hannover. Bereits zum dritten Mal veröffentlicht der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen das „Schwarzbuch sozial“ mit den hanebüchensten Ungerechtigkeiten aus seinem Beratungsalltag: Da wird der Reha-Antrag von Eltern abgelehnt, die gerade ihr Kind verloren haben. Da wirft das Jobcenter einem SoVD-Mitglied Steuerverschwendung vor und klagt selbst mehrere Jahre erfolglos, um nicht zahlen zu müssen. Und da unterstellt die Berufsgenossenschaft einem schwer verunglückten Lkw-Fahrer, zu simulieren, weil sie sich vor der Rentenzahlung drücken will.

Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Dass das vor allem für Menschen in schwierigen Situationen zum Problem wird, zieht sich wie ein roter Faden durch das „Schwarzbuch sozial“. 20 Fälle aus den rund 60 Beratungszentren in ganz Niedersachsen dokumentieren sehr gut die Ungerechtigkeiten, die täglich auf den Schreibtischen der SoVD-Berater landen. „Wir stellen immer häufiger fest, dass für Kranken- und Pflegekassen, aber auch für Jobcenter nicht die Probleme des Einzelnen im Vordergrund stehen, sondern ihre eigenen Zahlen und wirtschaftlichen Interessen“, kritisiert Bernhard Sackarendt, 2. SoVD-Landesvorsitzender. Und SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke ergänzt: „Die Art und Weise, wie Behörden und Institutionen mit Betroffenen umgehen und mit ihnen kommunizieren, macht uns an vielen Stellen sprachlos.“ Oft werde wenig Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt. „Das zeigt uns, dass Einzelschicksale für die Behörden oftmals keine Rolle spielen“, so Swinke weiter. Anders könne er sich so manches Vorgehen nicht erklären.

Mit dem „Schwarzbuch sozial“ will Niedersachsens größter Sozialverband aber nicht nur auf die Missstände aufmerksam machen, sondern auch bei der Politik den Finger in die Wunde legen. „Wir nutzen das Schwarzbuch dazu, um deutlich zu machen, welche negativen Konsequenzen zahlreiche Gesetze für Menschen haben, denen es ohnehin schon nicht gut geht“, erläutert Sackarendt.

Ein Beispiel dafür sei etwa die Tatsache, dass Widerspruchsverfahren im Bereich Pflege unverhältnismäßig lange dauern. „Unsere Beratung zeigt: 90 Prozent der Betroffenen warten länger als drei Monate auf eine Entscheidung“, so Sackarendt. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Natürlich seien zuerst der Medizinische Dienst der Krankenversicherung und die Pflegekassen in der Pflicht, das zu beschleunigen, aber auch die Politik könne etwas tun: „Bei einem Antrag gibt es eine gesetzliche Frist, innerhalb derer entschieden werden muss. Das muss es auch für Widersprüche geben“, fordert der 2. SoVD-Landesvorsitzende. „Schließlich betonen Politiker immer wieder, dass Pflegebedürftige besser unterstützt werden müssen. An diesem Punkt könnten sie damit anfangen“, findet er.

Dass in Niedersachsen vieles nicht rundläuft, macht SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke auch anhand verschiedener Zahlen deutlich: „Viele Menschen können bestimmte Dinge nicht mehr alleine. Sie brauchen Beratung und kommen deshalb zu uns.“ Dies zeige zum Beispiel auch die steigende Zahl der Mitglieder. Am 31. Oktober 2018 waren es fast 285.000 – ein Plus von 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für seine Mitglieder hat der SoVD durch Widersprüche und Klagen auch 2017 hohe Summen erstritten. Das waren mehr als 26 Millionen Euro an einmaligen und mehr als 7 Millionen Euro an laufenden Zahlungen.

Insgesamt hat der Verband sich in rund 33.800 Anträgen, Widersprüchen, Klagen und Berufungsverfahren für seine Mitglieder stark gemacht.

Das „Schwarzbuch sozial“ ist im Internet unter www.sovd-nds.de abrufbar.

SoVD Kreisverband Gifhorn wählte neuen Vorstand

Gifhorn/Meine. Insgesamt 57 Delegierte aus den SoVD-Ortsverbänden des Landkreises hatten sich zur Kreisverbandstagung des Sozialverband Deutschland (SoVD) Kreisverband Gifhorn am 29.September im Gemeindezentrum Meine eingefunden. Auf der Tagesordnung der Versammlung, die satzungsgemäß alle vier Jahre stattfindet, standen u.a. Entlastung des Vorstandes, Berichte von Kreisschatzmeister, Kreis-Frauensprecherin und Leiterin der Sozialberatungsstelle. Im Anschluss wählten die Teilnehmer einen neuen geschäftsführenden Kreisvorstand.

Nach der Eröffnungsrede des 1.Kreisvorsitzenden Heinz-Ulrich Kabrodt begrüßten die Samtgemeindebürgermeisterin Ines Kielhorn und die Meiner Bürgermeisterin Ute Heinsohn-Buchmann die Gäste. Beide Lokalpolitikerinnen lobten in ihrer Ansprache das gemeinnützige Engagement des Verbandes, der sich für sozial benachteiligte Menschen einsetzt und diesen konkret in sozial-rechtlichen Belangen zur Seite steht. Gruß- und Dankesworte des SoVD-Landesvorsitzenden Adolf Bauer überbrachte der SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke.

Nach der Verabschiedung von Heidrun Leyh, Marion Meyer, Gerhard Bothe und Johannes Pohl, die durch ihren Rückzug jüngeren Mitgliedern Platz im ehrenamtlichen Vorstand machen, standen Neuwahlen an. Zum Kreisvorsitzenden wieder gewählt wurde Heinz-Ulrich Kabrodt, sein Stellvertreter ist Lutz Lau. Neue Frauensprecherin und 2. Kreisvorsitzende wurde Ulrike Scheer, ihre Stellvertreterin wurde Monika Denecke. Ebenfalls wiedergewählt wurde Kreisschatzmeister Horst Nagel. Die Kreisschriftführerin und stellvertretende Kreisschatzmeisterin heißt Sabine Müller. Ferner wurden die Beisitzer, Revisoren und Delegierten für die Landes- und Bundesverbandstage neu gewählt.